Liebe Gemeindemitglieder!

Über Veränderungen und Vergrößerungen unserer Pfarreigrenzen wird und wurde viel diskutiert. Immer einmal wieder hört man dieses oder jenes, aber so richtig weiß nun auch niemand, was kommt und die Gerüchteküche köchelt dann auch noch nebenher weiter. Mit diesen Zeilen darf ich versuchen, Ihnen im Namen unserer vier Kirchengemeinderäte und deren Vorsitzenden, etwas Licht in das Dunkel der Zukunft zu bringen.
Schon im letzten Jahr wurde von Seiten unseres Bistums der Prozess „Kirche der Zukunft“ angestoßen, der seine Notwendigkeit und Dringlichkeit dadurch hat, dass Einnahmen aus der Kirchensteuer stärker zurückgehen, als ursprünglich gedacht, dass die wachsende Zahl an Kirchenaustritten auch Spuren hinterlässt, und ebenso, dass im Laufe der kommenden Jahre die Zahl der hauptamtlich Tätigen im pastoralen Bereich (Priester, Diakone, Pastoral- und Gemeindereferenten) enorm schrumpfen wird. Niemals bleibt das Leben stehen, aber in der Vergangenheit dachte man vielleicht zu lange, dass es doch für die Kirche stabiler sein könnte. Ein Trugschluss und daher nun auch die vielleicht rasante Geschwindigkeit der Reform. Ende des letzten Jahres hat der Diözesanrat entschieden, dass in unserem Bistum bis zum Jahr 2030 eine Zahl von 50 bis 80 „Raumschaften“ entstehen soll, die dem entspricht, was wir heute als „Pfarrei“ bzw. „Seelsorgeeinheit“ definieren.  Augenblicklich sind es rund 1.020 rechtlich selbstständige Kirchengemeinden, die sich in 268 Seelsorgeeinheiten aufteilen.
Von Seiten des Dekanats und einer dort gebildeten Steuerungsgruppe haben wir, und alle anderen Seelsorgeeinheiten der Nachbarschaft, im letzten Monat Post erhalten und darin lagen drei mögliche Vorschläge für eine künftige Veränderung. Da die beiden letzten Vorschläge für unser Gebiet letztlich deckungsgleich waren, konnten wir somit nur über zwei Vorschläge diskutieren, die wie folgt aussehen:

Vorschlag 1 würde die sehr großflächige Lösung bedeuten, wonach aus unserem Dekanat mit seinen bislang 22 Seelsorgeeinheiten insgesamt nur noch 5 neue „Raumschaften“ entstehen würden. Dies hätte aber zur Folge, dass unsere Seelsorgeeinheit zerteilt werden würde: Die Kirchengemeinden Bodnegg und Grünkraut würden zu Ravensburg (Ravensburg Mitte, Ravensburg Süd, Ravensburg West und Seelsorgeeinheit Zocklerland) kommen, und die Kirchengemeinden Schlier und Unterankenreute zu Weingarten (Seelsorgeeinheit Weingarten, Baindt-Baienfurt, Westliches Schussental und die Seelsorgeeinheit Tor zum Allgäu mit Waldburg, Vogt und Hannober). Die „Raumschaft Ravensburg“ wäre dann eine Fusion mit 26 Kirchenorten und einer Gesamtkatholikenzahl von 30.480 Personen; die „Raumschaft Weingarten“ würde 15 Kirchenorte umfassen aber ebenfalls eine Zahl von insgesamt 29.268 Katholiken.
Vorschlag 2 bzw. 3 würde für unseren Bereich bedeuten, dass unsere bisherige Seelsorgeeinheit nicht zerteilt wird, sondern im Zusammenschluss mit den Pfarreien Waldburg, Vogt, Hannober und evtl. auch Wolfegg, Altann und Rötenbach dann 10 Kirchenorte mit insgesamt 11.760 Katholiken umfassen würde. Allerdings bleibt offen, ob die Kirchengemeinden Wolfegg, Rötenbach und Altann diesen Zusammenschluss wollen, so dass ohne diese es nur 7 Kirchenorte wären, die aber doch eine Stärke von 9.656 Katholiken umfassen. Mit dieser Lösung entstehen letzten Endes 9 „Raumschaften“ in unserem Dekanat.
Ende Februar nun konnten wir alle Kirchengemeinderäte unserer vier Pfarreien zu einem Diskussionsabend nach Grünkraut laden, wo alle Vor- und Nachteile der Entscheidung, aber auch alle Ungewissheiten der Zukunft ausgesprochen, angesprochen und diskutiert wurden. Von Seiten des Dekanats war es nämlich unsere Aufgabe, dass jede Gemeinde die Vorschläge bewertet und ein Votum ausspricht. So unschön diese Veränderungen doch auch sind, so wohltuend war dieser Abend, weil wir hier alle zusammengehalten haben und den einstimmigen Wunsch (!) zum Zusammenbleiben und damit für die Vorschläge 2 bzw. 3 festgehalten haben. Zur Ehrlichkeit gehört aber auch, dass wir hier nur unseren Wunsch abgeben konnten, aber keinen Einfluss darauf haben, was aus diesem Wunsch wird, denn letztlich wird der Bischof Ende dieses Jahres endgültig und allein entscheiden, wie die künftigen Grenzen aussehen werden.
Auch wenn zum heutigen Zeitpunkt wohl niemand in der Lage ist, konkrete Fragen zu beantworten, wie es in Zukunft hier und dort aussehen wird, und wo hier und dort noch Gottesdienst gefeiert werden kann, und welches Gremium es dann noch hier wie dort geben wird (…), so mag für den Moment die schönste und beste Nachricht sein, dass wir als Kirchengemeinderäte, als Pastoralteam und zusammen mit Kirchenpflege und Sekretariaten ein Zeichen für Gemeinschaft und Zusammenhalt gegeben haben. Und sicherlich können auch Sie als Teil unserer ganzen Seelsorgeeinheit diesen Entschluss mittragen und sich daran freuen. Denn nur in Gemeinschaft können wir von unserem Glauben Zeugnis geben. Bei Fragen kommen Sie gerne auf jeden Einzelnen zu, und sobald wir mehr Kenntnis haben, lassen wir es Sie gerne wissen. Begleiten Sie diesen Prozess und alle Entscheidungen aber bitte mit Ihrem Wohlwollen und mit Ihrem Gebet!

Ihr Pfarrer Florian Störzer